Reise nach Ungarn

Mein seit vielen Jahren gehegter Wunsch, das ungarische Nationalgestüt und seine Shagya-Araber aufzusuchen, ging im Juni in Erfüllung. Mit dem Auto machte ich mich auf den Weg, um vor Ort Eindrücke von der dortigen Pferdezucht zu sammeln. Die Reiseroute führte von Schleswig-Holstein aus über Dresden-Prag-Bratislava nach Bábolna; in Sachsen war eine Übernachtung eingeplant. Von Dresden beträgt die Fahrstrecke nach Bábolna um die 580 Kilometer, die fast ausschließlich über Autobahnen führen. Das Gestüt liegt nur 4 Kilometer von der Autobahnabfahrt entfernt und ist somit wirklich leicht zu erreichen.

In dem eigenen Hotel innerhalb der Gestütsanlage werden lediglich Übernachtungen angeboten, Frühstück und Mittagessen können im Restaurant auf der anderen Straßenseite eingenommen werden. Die Preise sind sehr moderat, das Einzelzimmer kostet 30 Euro, das Doppelzimmer 45 Euro pro Übernachtung. Für das Frühstück zahlt man 5 Euro pro Person.

Am ersten Abend machte ich einen Rundgang durch den beindruckenden Gestütshof, dessen Rosenbeete gerade in voller Blüte standen. Hier ist auch der im Jahre 1710 gepflanzte Akazienbaum zu bestaunen, auf den man zurecht sehr stolz ist.

Für die nächsten Tage hatte ich mich zum Reiten angemeldet. Für die Gäste werden drei der älteren Zuchthengste zur Verfügung gestellt. Am ersten Tag fiel die Wahl auf den 16jährigen Gazal XXI, ein besonders typvoller, großrahmiger Hengst mit einem sehr ausgeglichenen Temperament. Am nächsten Tag war es der dunkelbraune O’Bajan XXIV. Trotz seiner 22 Jahre frisch und aufmerksam, war ihm sein Alter nicht anzumerken. Die historische Reithalle bietet ein ganz besonderes Ambiente für die Reitstunden.

In den Stallungen sind etwa 70 von insgesamt 300 gestütseigenen Pferden untergebracht – zum einen handelt es sich dabei um die Zuchthengste sowie die Reit- und Fahrpferde. Direkt im Gestüt befindet sind auch die Besamungsstation. Wer sich für die verkäuflichen Pferde interessiert, kann sich im Gestütsbüro melden, um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren.

In die direkte Nachbarschaft des Gestüts sind auch die landwirtschaftliche Schule mit 120 Schülern sowie eine große Reitanlage mit Außenplätzen und Tribünen, auf der auch regelmäßig Reitturniere stattfinden, integriert. Die Schüler absolvieren ihre Ausbildung zum Pferdewirt oder Pferdepfleger, die Pferde des Gestüts dienen ihnen als Reitpferde.

Die Gestütsleitung bietet Führungen für interessierte Besucher an, die immer in der historischen Ausstellung des Pferdemuseums ihren Anfang nehmen. Danach geht es in den Gestütshof und in die Stallungen, sowie zur Kutschenausstellung. Allerdings sollte man sich rechtzeitig anmelden, da zahlreiche Schulklassen im Sommer ihre Ausflüge zum Gestüt buchen.

Die Zuchtstuten und Fohlen sind in der Außenstelle untergebracht, dessen Weiden man nach einem 10 minütigem Spaziergang erreicht. Der Anblick der großen Stutenherden auf den weitläufigen Weiden hinterlässt bleibende, ganz besondere Eindrücke. Am nächsten Morgen wurde ich vom Gestütsleiter Tamas Rombauer eingeladen, die Zuchtstuten mit ihren Fohlen in den Laufställen zu besichtigen. Sämtliche Stuten und Fohlen werden am Morgen aufgehalftert und dann zum Füttern angebunden. Jede einzelne Stute hat ihren festen Platz im Laufstall; eine Tafel mit ihrem Pedigree hängt über dem Trog. Auf einer weiteren Tafel ist der Vater des Fohlens sowie der Hengst, von dem die Stute aktuell besamt wurde, vermerkt. Alle Pferde befinden sich in einem hervorragenden Futterzustand und zeigen sich sehr zutraulich und freundlich.

Der Besuch in den Laufstallungen bot mir die Möglichkeit alle Pferde in Ruhe zu mustern und auch die dazugehörigen Pedigrees zu studieren. Außenstehenden erscheint es schwer, einen Überblick über das vernetzte System der einzeln Namen zu bekommen, insbesondere über die darin enthaltene Aufgliederung der jeweiligen Linien und auch der Familienzugehörigkeit sowie des jeweiligen Jahrgangs. Zunächst gewinnt man den Eindruck, dass sämtliche Shagya-Araber ähnliche Namen trügen. Beschäftigt man sich jedoch intensiver mit der Terminologie, ist die Namensgebung leicht zu deuten und deren Systematik unschwer auszulegen.

Zum Zeitpunkt meines Besuches waren 42 Fohlen geboren, davon 23 Shagya-Araber Fohlen und 19 Vollblut Araber Fohlen. Im letzten Jahr wurde der Hengst Koheilan Koppány vermehrt eingesetzt, neun Fohlen haben ihn als Vater. Er verfügt über viel Rahmen und wird aktuell auch im Springsport gezeigt. Die anderen Shagya-Araber Fohlen haben O’Bajan XXXI/Osama (3), Kemir VII (5), Shagya VI (3), O‘ Bajan XXXII (1) und Gazal XXIV (2) zum Vater. Mit den meisten Fohlen, insgesamt zehn, ist in der Vollblutaraber Herde der Hengst Psyche Keret ox vertreten. Die anderen neun Fohlen haben Kahil Al Shaqab ox (1), Nabeel Al Khaled ox (2), EKS Alihandro ox (2), Shamal Al Shaqab ox (1) und PA Gazsi ox (3) zum Vater.

Die jungen Hengste und Stuten, sowie ein Teil der Verkaufspferde sind in Ölbö, einer 10 Kilometer entfernten Außenstelle, untergebracht. Die Jungpferde tummeln sich hier auf großen Weiden an einem kleinen See, um den ein Rundweg führt. Besonders reizvoll ist es, in dieser Umgebung einen Spaziergang zu unternehmen, um dabei die Pferde auf der Weide zu beobachten.

Nur wenige Kilometer entfernt von Bábolna liegt die Ortschaft Kisbér mit seiner historischen Gestütsanlage, die auf eine große, hippologische Geschichte zurückblickt. Die Gebäude wurden zum Teil schon restauriert und sind auf jeden Fall eine Besichtigung wert. Ein Teil der Anlage wird mittlerweile für private Pferdehaltung genutzt.

Eines der größten Privatgestüte befindet sich in Fehérvárcsurgó bei Lajos Baumann. Die Junghengste werden ganzjährig auf 500 Hektar im Naturschutzgebiet in Csór zusammen mit einer Rinderherde gehalten. Die Stuten mit den Fohlen sowie die Zuchthengste sind auf dem Hof und den umliegenden Weiden untergebracht. Die Kontaktdaten der Familie können bei mir erfragt werden.



Wer Ungarn besucht, sollte sich auch ein oder zwei Tage Zeit nehmen, um nach Budapest zu fahren. Von dem Vorort Budakeszi aus erreicht man problemlos mit dem Bus das Zentrum. Hier gibt es Pensionen, wie z.B. Panzió Margaréta, bei denen die Betreiber deutsch sprechen. (Kontakt: margaretapanzio@outlook.com) Meinen Besuch hatte ich verbunden mit einem Treffen mit Dr. Walter Hecker, dem Autoren des Buches „Bábolna und seine Pferde“ und einem exzellentem Kenner der ungarischen Pferdezucht.

Ein weiteres Ausflugsziel liegt nur 75 Kilometer vom Gestüt entfernt: Veszprém ist ein idyllischer, kleiner Ort, in dem man in die ungarische Kultur eintauchen kann. Wer dort übernachten möchte, dem empfehle ich das Hotel Gizella. Von dort aus lässt sich mühelos die sehenswerte, historische Innenstadt erkunden. Das Personal spricht deutsch, was den Aufenthalt aufs angenehmste erleichtert. (Kontakt: info@hotelgizella.hu)

Veszprém bietet sich ebenfalls an, um Ausflüge zum 20 km entfernten Balaton zu unternehmen. Es ist die ungarische Bezeichnung für den Plattensee, ein eindrucksvolles Gewässer mit einer Länge von etwa 77 Kilometern. Die Orte Balatonfüret sowie die Halbinsel Tihany haben mir besonders gut gefallen; einen Abstecher dorthin sollten auch diejenigen machen, die eigentlich nur der Pferde wegen nach Ungarn gekommen sind.

Bábolna Nemzeti Ménesbirtok
Mészáros út 1
HUN-2943 Bábolna
www.babolnamenes.hu

menesbirtok@babolnamenes.hu (Gestütsbüro)
turizmus@babolnamenes.hu (Buchung Hotel und Führungen)


Wer mehr über die Geschichte des Gestüts und den Shagya-Araber erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch von Dr. Walter Hecker „Bábolna und seine Pferde“. Zu bestellen ist es für 60 Euro versandkostenfrei im Shop www.Asmussen-Verlag.de oder per Email Sandra@Asmussen-Verlag.de

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